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Ed Parker´s Original
   American Kenpo Karate

Kenpo Karate in Europa – der Anfang in Deutschland

Peter Ritters 15.01.2008

Willich (Deutschland) im Herbst 1972:
Mein Kollege und Freund Heinz Giesing und ich absolvieren gerade das erste Jahr unserer Grundausbildung zum Polizeidienst. Damals noch 16 Jahre alt, verbringen wir die wenige Freizeit an den Wochenenden meistens in unserer Stammkneipe „Delfter Stuben“. Nette Leute, Billard, eine hübsche Wirtstocher und kühles Bier sind Grund genug, uns hier häufig aufzuhalten.

Eines Tages kommt Heinz Giesing zu mir und erklärt: „Hi Peter, ich habe gestern Abend in der Kneipe mit einem Ami gesprochen – der hat etwas von Karate und Selbstverteidigung gesponnen. Lass uns mal gucken, was der drauf hat !
Heinz Giesing hatte Rainer Schulte kennen gelernt !

Schon am nächsten Abend treffen wir Rainer in der Kneipe. Kein besonders großer Mensch, eher Mittelmaß, auch macht er nicht den Eindruck eines stahlharten Karate-Kämpfers (Bruce Lee ist damals in aller Munde). Aber nun gut – hören wir ihm zu.

Rainer Schulte erzählt zunächst von sich – er arbeite im amerikanischen Konsulat – wohne jetzt in Willich – ganz in Nähe der Kneipe. Er habe den Blackbelt in Kenpo Karate, einer amerikanisch - hawaiianischen Kampfkunst. Sein Meister, Ed Parker, sei der Gründer des Karate in den USA und auch Elvis Presley sei einer seiner Schüler. Wow, aber wieso kennen wir den nicht ? Hm – alles etwas mysteriös und undurchsichtig. Ob das alles stimmt ? Zweifel ! An diesem Abend stellen wir fest, dass Rainer Schulte trinkfest ist – was zweifellos für ihn spricht.

Weitere Treffen in der Kneipe folgen in den kommenden Tagen – wir fragen Rainer nach Techniken. Was kann ich machen, wenn….? Rainer demonstriert Dinge, die wir so noch nie gesehen haben. Die Runde der Interessenten wird immer größer. Da scheint irgendeine Faszination von diesem Kenpo Karate auszugehen.

Billard spielen kann Rainer Schulte sowieso besser. Er habe das mal für Geld gemacht, sagt er. Und als er dann noch einen wirklich starken Jungen im Armdrücken bezwingt, sind Heinz und ich uns sicher: Der muß was drauf haben !

Es wird nun überlegt, wo wir mit dem Training beginnen können. zunächst ist an einer vernünftigen Sporthalle nicht zu denken. Was also tun ? Direkt gegenüber der Kneipe befindet sich ein abbruchreifes Haus. Rudi Krücken, ebenfalls eine Kneipenbekannstschaft, gibt uns den Schlüssel und erlaubt uns, dort zu trainieren.

Nachdem wir in der ersten Etage einen etwa 6 x 4 m großen Raum von Schutt befreit und gereinigt haben, treffen wir uns im Oktober 1972 zum ersten Training. Jochen Jungbluth, Reiner Mülders, Hans-Werner Loosen, Leo Süsges, Wolfgang Deubner, Heinz Giesing und ich – und natürlich Rainer Schulte. „Horse“, „Step Through“, „Lock Out Punch“, “Ball Kick”, “Knife Edge” - alles mit 8 Mann auf 24 qm. Kenpo Karate in Deutschland ist geboren.

Beim zweiten Training passiert es dann. Wolfgang Deubner wehrt einen Ball-Kick von Werner Loosen ab und der geht mit einem Schrei zu Boden. Kein Problem für Rainer Schulte – der den Zeh untersucht und diesen durch dreimaliges starke Ziehen wieder „einrenkt“, was die Schmerzen aber eher zu verstärken scheint, jedenfalls nach den Lauten, die Hans-Werner von sich gibt. Erst später im Krankenhaus wird beim Röntgen festgestellt , dass der Zeh gebrochen ist. Nun sind alle überzeugt: To hear is to doubt – to see is to be decived but to feel is to believe (Ed Parker). Und Hans-Werner hatte gefühlt !

1973 wird der Kenpo-Karate Club e. V. Schiefbahn wird offiziell gegründet.

Die Gruppe der Kenpokas wächst in den kommenden Monaten stark an. Es gelingt, Trainingsstunden in den örtlichen Sporthallen zu organisieren.

1973 stößt Christian Springer zur Gruppe, 1 Jahr später dann Andreas Kretschmer (heute beide Kenpo Blackbelts).

1974 folgt eine erste große Demonstration vor den Vertretern der Stadt. Das Rainer Schulte die zum Bruchtest gehaltenen Bretter entgegen der Maserung durchschlagen muß (die Schüler haben sie falsch herum festgehalten) sein nur am Rande erwähnt.

1975 richtet der Kenpo –Karate-Club Schiefbahn sein erstes Kampfturnier aus, wo wir in gleich 3 von 5 Gewichtsklassen die Sieger stellen. Welch ein Erfolg !

Ein spektakulärer Bruchtest dann im August 1975 – als Mitglieder des Kenpo-Karate Club ein komplettes Gartenhaus mit bloßen Händen und Füßen zerlegen. Im Bild: Purple Belt Wolfgang Deubner - in schlechter Abwehrstellung – aber die Wand bricht zusammen.

Die Gruppe der Kenpokas ist über 100 Mitglieder angewachsen, als Rainer Schulte Ende 1976 zurück in die vereinigten Staaten kehren muß. Im Hinblick auf die Weiterführung des Clubs vertraut er einem Mann, der sich aus Karrieregründen nach seiner Abreise einem anderen System zuwendet und den Kenpo Karate Club zerfallen lässt.

Das Ende des Kenpo-Karate in Deutschland scheint besiegelt . Als Rainer Schulte 1978 zurück nach Deutschland kommt finden sich schnell 20 – 30 ehemalige Schüler ein und das Training wird wieder aufgenommen – in einem abbruchreifen Saal einer Kneipe – wie die Anfänge sich gleichen.

Im Dezember 1978 wird der Kenpo Karate Club Schiefbahn wieder neu gegründet. Er ist innerhalb kürzester Zeit wieder auf 50 Mitglieder angewachsen. . Der Club trainiert im Camp der englischen Armee, zu der Zeit sind die alliierten Streitkräfte noch in Deutschland

Jetzt geht es rasend schnell. Kontakte nach Irland, England, Jersey, Spanien und Holland werden geknüpft, die IKKA Europe gegründet.
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Dian Tanaka und Ed Parker kommen nach Deutschland und ehrfürchtig trainieren wir mit dem Gründer des Systems – dem Meister.

Im März 1979 lege ich dann meine Prüfung zum Braungurt in Plymouth (England) mit Erfolg ab. 1983 muß ich dann berufsbedingt als 3rd Brown das Training abbrechen.

Rainer Schulte hat es verstanden, Kenpo Karate in Deutschland und Europa zu integrieren. Kenpo Karate hat uns allen viel gegeben. Kenpo Karate hat meine physische und mentale Kraft wesentlich gestärkt und mir in manchen Situationen des Lebens hilfreich zur Seite gestanden.

Danke Ed Parker – danke Rainer Schulte, meinem Meister.

Übrigens: Im Januar 2008 haben Wolfgang Deubner und ich nach 25 Jahren gemeinsam mit Andreas Kretschmer (1st Black) das Training wieder aufgenommen – bei einem meiner ehemaligen Schüler – Robert Fuhr (4th black).

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